Hier gibt es nichts zu sehen!

Oktober 2006


In der Zeit vom 21. September 2006 behandelt ein Artikel die Tendenz der Industrie, immer mehr Aufgaben, die früher als Dienstleistungen von den Firmen ausgeführt wurden, auf den Kunden abzuwälzen.

Das finden wir von der Kreativguerilla gut und weiten das Konzept auf Blogs aus:

Schreibt euren eigenen Blogartikel! Ihr könnt dafür die Kommentierungsfunktion dieses Artikels benutzen. Bitte seht es als Freiheit, als Blogerlebnis!

Eure Kreativguerilla

Ein Grundsatz strategischen Denkens ist es, sich in den Gegner oder ein Vorbild hineinzuversetzen und zu überlegen, was dieser tun würde, stünde er vor dem Problem, welchem man gerade selbst gegenüber steht. Kreative Köpfe ziehen auch gerne mal jemand außenstehendes hinzu, um auf ungewöhnliche Lösungen zu kommen. Im Einsatz klingt das dann so: Was würde General Chortôn, was würde Napoleon, was würde Superman tun, wenn er kaum eine Streitmacht besitzt, aber einen Despoten stürzen möchte? Diese Herangehensweise haben wir bereits beim Strategieklau kennengelernt.

Es gibt aber eine weitere Möglichkeit, diesen Grundsatz zu nutzen:

Problemstellung: Von etwas zu wenig oder zu viel haben

Wenn man vor dem Problem steht, von irgendetwas zu wenig oder zu viel zu besitzen (z. B. zu wenig Soldaten, Waffen, Kunden, zu viele Gegner, Besäufnisse, leere Regale etc.) und das ändern möchte, dann fragt man sich natürlich, um aus der Misere herauszukommen: Wie kann ich an mehr Soldaten kommen? Woher bekomme ich mehr Waffen? Unser Beispielsupermarktbesitzer fragt sich: Wie kann ich an mehr Kunden kommen? Und so weiter. Wir kommen später drauf zurück.
An dieser Stelle muss man sich in die Position des gehassten feindlichen Generals versetzen, um an eine Lösung zu kommen. Nur – der hat natürlich irgendwie ein ganz anderes Ziel. Der möchte, dass unsere kleine Untergrundarmee nicht größer und stärker, nein, sondern kleiner und schwächer wird! Hm, das führt nicht ganz zum Ziel. Oder doch, halt! Lassen wir es drauf ankommen.

Wie also schaffen wir es, dass unsere Armee kleiner und schwächer wird?
Saufgelage sind eine gute Sache, die Soldaten verkatert und müde zu machen. Wer viel säuft, ist bestimmt nicht mehr so wachsam. Also mehr Saufgelage! Auch Frauen sind geeignete Mittel Soldaten abzulenken. Also Busse mit Frauen hinschicken.
Um die Soldatenzahl zu verkleinern, kann man entweder die Soldaten irgendwie abwerben, z.B. durch bessere Bezahlung woanders, oder ein paar von ihnen einfach im Gefecht erschießen. Dann braucht man nur noch dafür sorgen, dass der Nachschub ausbleibt, zum Beispiel durch große Werbekampagnen, welche die Grausamkeiten innerhalb der Guerillaarmee bloßstellen und gleichzeitig die eigene Armee erstrebenswert machen.

Ok, das war einfach. Und jetzt kommt Trick 51/3: Wir drehen die Antworten um und finden so möglicherweise Ansätze, die unser ursprüngliches Problem zu lösen helfen.
Hieß eine gefundene Antwort “Mehr Saufgelage”, so heißt deren Umkehrung “Weniger Saufgelage”. “Mehr Frauenkontakte” wird zu “Weniger Frauenkontakte”. “Soldaten durch bessere Bezahlung abwerben” kann zu “Durch bessere Bezahlung Soldaten an sich binden” umgekehrt werden. “Mehr Soldaten in Gefechten erschießen” führt vielleicht zu “Soldaten schusssicherer ausstatten”. “Durch Gegenwerbung Nachschub unterbinden” kann natürlich in “Durch Werbekampagnen, welche die Grausamkeiten des Gegners bloßstellt, Nachschub anwerben” umgekehrt werden. Alles gut nutzbare Lösungen, die zum Teil ohne großen Aufwand realisiert werden können.

Die Technik nutzt also die Sicht des Gegners auf das eigene Problem aus und kehrt die Problemlösungsbestrebungen erst einmal in Problemverschärfungsbestrebungen um. Daher nennt der Volksmund diese Technik auch Umkehrtechnik, manchmal auch Kopfstandtechnik.

Kommen wir an dieser Stelle noch einmal zurück auf den Beispiel-Supermarkt, der uns in den anderen Strategien schon als Beispiel diente:

Der Supermarktbesitzer versucht, mehr Kunden zu gewinnen.

Schritt 1: Indem man es aus Sicht des Gegners betrachtet, das Problem umkehren (Ziele austauschen)

Ein Konkurrent hätte wohl lieber, dass unserer Supermarkt weniger Kunden hätte.

Schritt 2: Lösungen für diese Umkehrung finden

Dafür hätte der Wettbewerber auch ganz tolle Ideen, die er an unserer Stelle benutzen würde:

  • Für unfreundliches Personal sorgen; das vergrault Kunden recht effizient.
  • Jeden unnötigen Kontakt zum Kunden möglichst vermeiden
  • Der Supermarkt schließt die Toiletten.
  • Den Supermarkt sehr schlecht ausleuchten. Wer kauft schon gerne in einer schummerigen Kaschemme?
  • Nur zwei Stunden am frühen Morgen und nochmal zwei Stunden am frühen Nachmittag öffnen! Blöde Öffnungszeiten verhindern Kundenbeliebtheit.
  • Den Supermarkt an den Stadtrand verlegen, wo kaum jemand hinkommt.
  • Keine Parkplätze bereithalten. Sollen die Kunden doch sehen, wo sie ihr Auto hinstellen.
  • Überhöhte Preise
  • Nur Produkte minderster Qualität anbieten
  • Die Gänge schön schmal machen, damit ja nicht zwei Einkaufswagen aneinander vorbei kommen
  • Nur maximal eine Kasse besetzen
  • Produkte nicht nach Kategorien in die Regale einordnen, sondern zufällig über alle Regale streuen (Gurkengläser stehen direkt hinterm Eingangsbereich, eingelegte Zwiebeln links hinten und Mixed Pickles rechts in der Mitte)
  • Die Regal noch innerhalb durcheinander einsortieren
  • Zusammengehörige Produkte (z.B. Nudeln und Soßen oder Bier und Knabberkram) entweder weit auseinander platzieren oder die eine Komponente gar nicht führen.
  • Keine frischen Produkte anbieten
  • Geruchsverteiler aufstellen, aus denen es muffig riecht
  • Flackernde Neonröhren anbringen

Das sind ja schonmal ein paar verrückte Sachen.

Schritt 3: Die Gegnerlösungen umkehren

Nur ein paar davon werden exemplarisch auf den Kopf gestellt:

  • Statt Muff-Geruch-Verteiler werden Duftverteiler installiert, die einen frischen Frühlingsduft verbreitet, welcher zum Wohlfühlen anregt.
  • Alles schön ausleuchten, und zwar ohne flackernde Lampen
  • Besonders frische Artikel anbieten, z.B. Obst vom Bauern nebenan
  • Alle Produkte besonders übersichtlich organisieren, dass man leicht das gewünschte Produkt findet
  • Zusammengehörige Kategorien in örtliche Nähe zueinander platzieren
  • Für freundliches Personal sorgen, das auf die Kunden zugeht und den Einkauf angenehm gestaltet.

Das sind nicht alles wirklich neue Lösungen, oder manche Supermärkte sind halt auch schon drauf gekommen. Aber es lassen sich oftmals viel mehr Lösungen finden, wenn man die hier vorgestellte Strategie benutzt, weil es sich leichter “rumspinnen” lässt, wenn man nicht ständig auf das eigene Ziel fixiert ist. Das merkt man natürlich am meisten, wenn man’s macht. Also, stellen Sie Ihre Probleme auf den Kopf!

Viel Spaß dabei wünscht Ihnen
Ihre Kreativguerilla

Jeder kreative Freiheitskämpfer weiss, das eine Strategie nur solange effektiv ist, wie der Gegner sie nicht kennt. Es ist daher unumgänglich, ständig neue Strategien zu entwickeln, um dem Gegner einen Schritt voraus zu sein. Die Kreativguerilla hat Ihnen mit dem “Strategieklau” eine der fünf wichtigstens Stategien der Kreativitaetsgeschichte vorgestellt. Damit Sie in keinen Hinterhalt geraten, wird die Kreativguerilla Ihnen nun eine weitere Strategie vorstellen. Der Name dieser Strategie ist “Strategisches Glück”, im Volksmund auch unter dem Namen “Zufallstechnik” bekannt.

Diese Strategie beruht auf dem Einfluss des Momentes und der Umgebung, in der Sie sich zum Zeitpunkt der Anwendung befinden. Die einzelnen Schritte der Technik lassen sich wie folgt beschreiben.

Analyse der Aufgabenstellung

Wie schon beim Strategieklau bildet die Analyse der Aufgabenstellung die Basis dieser Strategie. Ziel ist die Identifizierung von Attributen der Aufgabenstellung.

Nehmen wir einmal an, Sie sind ein Toilettenpapierhersteller und möchten den Absatz Ihrer Rollen in Mecklenburg-Vorpommern erhöhen. Nun, als Hersteller sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Woraus besteht Ihr Produkt?
  • Was sind die Eigenschaften Ihres Produktes?
  • Welche Prozesse verbinden man mit Ihrem Produkt?
  • Was macht Ihr Produkt zu etwas besonderem?

In früheren Artikeln hat die Kreativguerilla zur Beantwortung dieser Fragen die Verwendung von C7H5N3O6 empfohlen. Nachdem wir aber mehrere Zuschriften und Anfragen bekamen, woher man den C7H5N3O6 zu kreativen Zwecken beziehen könnte, mussten auch wir leider feststellen, das man C7H5N3O6 nicht in jeder Apotheke oder jedem Reformhaus bekommt. Da viele unserer Leser keine studentische Verbindungen zu den Söhnen des Abendlandes besitzen, empfiehlt die Kreativguerilla daher die Verwendung eines jungen Nachkommen der Gattung Homo sapiens sapiens, auch Kind genannt. Kinder besitzen eine ganz natürliche analytische Gabe, die es ihnen ermöglicht, einem Gegenstand ihrer Umwelt die wesentlichen Bestandteile zu entlocken. Dazu benötigen sie nur einen schweren Gegenstand und etwas Zeit. Ein solcher kreativer Gegenstand ist zum Beispiel ein Hammer oder ein schwerer Ast. Wir wissen, was Sie jetzt denken. Wo soll ich denn ein Kind herbekommen, die sind doch in Deutschland vom Aussterben bedroht. Fragen Sie doch mal im Freundeskreis nach, meist gibt es dort ein mutiges Forscherpaar, dem es gelungen ist, ein solches Exemplar zu züchten. Diese werden Ihnen sicherlich gerne ihr Exemplar für Studienzwecke zur Verfügung stellen.

Durch diese Vorgehensweise könnten Sie als Toilettenpapierfabrikant folgende Attributen gewinnen:

  • Toillettenpapier hat eine reinigende Wirkung
  • Toillettenpapier ist saugfähig
  • Toillettenpapier dient der Hygiene
  • Toillettenpapier ist weich
  • Toillettenpapierrollen haben ein hohles Inneres
  • Toillettenpapier repräsentiert eine Dienstleistung für das Gesäß
  • Toillettenpapier ist abrollbar und
  • Frauen verbrauchen fünfmal mehrToilettenpapier pro Sitzung als Männer

Die Augen offen halten

Nachdem Sie die Aufgabensituation analysiert haben, sollten Sie im nächsten Schritt unserer Strategie die Augen offen halten. Das Prinzip des “Strategischen Glücks” beruht darauf, das alles in Ihrer unmittelbaren Umgebung einen Einfluss auf Ihre Lösungsidee haben kann.

Schauen Sie sich doch mal im Raum um. Was sehen Sie? Was haben wir den da? Eine alte Pizzaschachtel, ein paar dreckige Socken, Aktien von 1980 einer Firma namens Microsoft, eine Mail von einem studentischen Freund M. Atah mit einer Einladung zu einer Flugschau. Auch schon ziemlich alt. Und eine aktuelle Zeitung. Schauen wir doch mal in die Zeitung. Aha, die NPD zieht mit 7,3 Prozent in den Schweriner Landtag ein. Um Ihnen zu zeigen, dass selbst Dinge, die auf den ersten Blick zu nichts zu gebrauchen sind, für etwas gut sind, wird die Kreativguerilla die NPD als Zufallselement verwenden (Kreativer Vermerk: Interessant an dieser Stelle ist zu erwähnen, das Sie durch die Anwendung des Strategieklaus auch auf dieses Element gekommen wären, da es nicht viele Objekte gibt, von denen man allgemein annimmt, sie wären innen hohl.).

Analyse des Glücks

Nachdem wir unser persönliches kreatives Glück gefunden haben, sollten wir es etwas genauer betrachten. Versuchen Sie zu ergründen, was es zu etwas ganz Besonderem macht. Hierzu können Sie wieder die Fragen der Aufgabenstellungsanalyse verwenden. Ziel dieser Betrachtung ist die Identifizierung von Attributen, die in Verbindung mit Attributen der Aufgabenstellung zur innovativen neuartigen Ideen führen. Betrachten wir also die NPD etwas genauer.

Um in diesem Zusammenhang gleich neue Freundschaften zu schliessen, lassen Sie sich doch vom BND anwerben und erleben Sie, was es bedeutet, eine Randgruppe in Deutschland zu sein. Ausgegrenzt zu werden, wenn man in einer Moschee seinen Glauben ausleben möchte, oder einfach keine Grillerlaubnis in der Nähe deutscher Auffanglager bekommt. Nach ein paar Wochen bei Ihren neuen Brüdern und Schwestern und drei Jahren Aussteigerprogramm sollten Sie sicherlich in der Lage sein, einige Attribute zu unserer Randgruppe aufzählen zu koennen.

Der durchschnittliche Deutsche verbindet mit der NPD folgende Attribute:

  • Die Mitglieder haben nur geringe Friseurkosten
  • Die Mitglieder leiden an Demenz, was sich besonders beim geschichtlichen Wissen zeigt
  • Die Miglieder haben motorische Probleme im rechten Arm
  • Die Mitglieder besitzen eine sehr niedrige Lernkurve

Die Fusion des Unglaublichen

Nun besitzen wir eine Menge Attribute, die in einer Kombination eine erhebliche Sprengkraft beinhalten können. Versuchen Sie doch einfach mal ein paar Elemente miteinander zu verbinden.

Stellen Sie sich dazu die Frage:

  • Wie könnte eine Verbindung dieser Attribute zu einer Lösung meiner Aufgabenstellung führen?

Wir haben zum Beispiel die Attribute:

  • Toillettenpapier repräsentiert eine Dienstleistung für das Gesäß. (Augabenstellung)
  • Die Mitglieder der NPD leiden an Demenz. (Glückselement)

Die Mitglieder und Wähler der NPD vergessen also sehr schnell, was sie eben noch gemacht haben. Stellen Sie sich einmal vor, was dies für diese armen Menschen beim täglichen Geschäft auf dem stillen Örtchen bedeutet. Um Ihnen auch hier ein Gefühl von Normalität zu geben, schlägt die Kreativguerilla folgendes Produkt vor: Ein Toilettenpapier mit unterschiedlichen Warnhinweisen:

  • “Bitte nur einmal benutzen”
  • “Nach dem Benutzen nicht zum Schnäuzen geeignet”

Neben der Entwickung einer neuen Toilettenpapierrolle lassen sich aus diesen Attributen auch Marketingaktionen anfertigen. Stellen Sie sich ein Werbeplakat an einer der vielen Buchenalleen im schönen Mecklenburg-Vorpommern vor. Ein großes Plakat mit einer wunderschönen Feinripp-Unterhose. Aber moment, mit dem Slip stimmt was nicht. Eine Bremsspur, zentral in der Mitte des Slips. An dieser Bremsspur befindet sich ein Massband, das den aufmerksamen Beobachter darauf hinweisst, das diese wunderschöne Bremsspur 7,3 Zentimeter lang ist. Und noch etwas ist zu entdecken. Ein Slogan: “Mit uns wäre das nicht passiert. Die forschenden Toilettenpapierfirmen”. Sie sehen, selbst Gegenstände ohne ersichtlichen Nutzen können zu einer guten Idee führen. Also versuchen Sie es doch einfach mal selbst. In diesem Sinne, denken Sie immer daran, das die Wahl des richtigen Geschäfts eine Wissenschaft für sich ist, die in einer intensiven Sitzung überdacht werden sollte.

Ihre Kreativguerilla

La vie est belle – das Leben ist schön. Und schön ist die Liebe und der Verkehr – der Straßenverkehr natürlich. Für den Fremdling ist dies wohl die erste, auffallende Entdeckung, die er bei einem ahnungslosen Spaziergang durch die Straßen der neuen Wahlheimat macht. Gespeist und vorbereitet mit dem Wissen, dass die Bedeutung des französischen Zebrastreifens nicht unbedingt der deutschen gleicht, respektiere ich, MarineFilleDePirate natürlich – entsprechend einer ordentlichen Erziehung – das Symbol eines ausgeklügelten Verkehrssystems und warte pflichtbewusst am Straßenrand, um anschließend – gemäß dem durchaus negativen Klischee des rowdy-haften französischen Verkehrsteilnehmers – über die Straße zu springen. Just an diesem kleinen Beispiel der interkulturellen Vorbereitung auf fremdländische Gepflogenheiten werde ich angenehm überrascht: Eine junger Pizza-Lieferant auf einem fahrbaren Untersatz mit 2 Rädern hält an und zeigt mir mit einer wohlwollenden, gönnerischen Geste an, dass ich den Zebrastreifen überqueren könne.

Dieser selbstlosen Geste zum Trotz nähert sich ein Linienbus in stetiger und nicht langsamer werdender Geschwindigkeit von hinten an. Vergessen ist die nette Geste des jungen Rollerfahrers… Ich erstarre durch das Bewusstsein der unausweichlichen Folge dieser Situation. Schwupp, der Rollerfahrer, wie aufgespießt durch die Front des Busses, springt mit einem dumpfen Krachen einige Meter nach Vorne. Ein Hupen ertönt, der Pizzajunge, wie durch ein Wunder unversehrt und bei guter Verfassung – er wurde ja schließlich nur von hinten angefahren und einige Meter in Fahrtrichtung katapultiert – reckt seine rechte Hand zum Himmel, schimpft in einem schnellen Französisch vor sich hin und fährt weiter. Gefolgt von dem französischen Linienbus, der mir, wartend, mit großen, erschrockenen Augen auch keine weiter Beachtung mehr schenkt. So und nun herzlich willkommen in Frankreich, dem Land, dem uneingeschränkt ein Stern für kreatives Pizza-Ausliefern gebührt!

Aber nicht nur das Pizza-Ausliefern unterliegt einem „kreativen Einschlag“. Auch der Umgang mit unserer Umwelt erhält hier im Land des Weins, der Gaumenfreuden und der schönen Männer (und Frauen) eine ganz besondere Note. In den deutschen Gefilden unter dem Namen „Chlorbleichlauge“ bekannt, ist das hiesig als „Eau de Javel“ bezeichnete „Putzmittel“ ein ständiger Begleiter im hektischen Alltag der Franzosen. Ein bisschen hier in der Spülmaschine, ein bisschen dort zur Säuberung der Toilettenschüssel, oder auch im Supermarkt in der Gemüse- und Obstabteilung, um unangenehmen Gerüchen den Garaus zu machen – Eau de Javel ist das Zauberwort. Das dabei fast inflationär mit einer durchaus gefährlichen Lösung umgegangen wird, scheint hier aber niemanden zu stören. (Auf der Infoseite dazu lässt sich folgender Warnhinweis finden: „Eau de Javel entwickelt bei Berührung mit Säure giftige Gase (Chlorgas)“) Ist es nicht auch eine Kreativitätstechnik, bei der man bestimmte Eigenschaften analog auf andere Bereiche anwendet und statt täglich „das Rad neu zu erfinden“ einfach alles platt macht, auch wenn’s die Umwelt ist, oder hab ich da was falsch verstanden?!? Naja, Hauptsache es riecht gut – oder nicht?

Da bleibt einem durchaus nur ein letzter Rettungsanker: der vielerorts beliebte Radiosender ChérieFM, der euch euren schönsten Emotionen näher bringt – Welch Kraft und innere Stärke muss ein solcher Radiosender denn mitbringen, um sich mit so vielen „schönsten Gefühlen“ auseinander zu setzen und diese hervorrufen bzw. suggerieren zu können?!? Hierfür also mein zweiter „Kreativtäts-Stern“ für den tollen Namen und die tollen Gefühle. Danke ChérieFM – mein größter Schatz!

La vie est belle
Ihre MarineFilleDePirate