Hier gibt es nichts zu sehen!

Entdecktes


Viele Bücher des kreativen Kampfes sehen im Gruppenkampf als beste Strategie, um ein Ziel zu erreichen. Die Autoren gehen davon aus, dass eine Gruppe von Kämpfern mehr Ideen entwickeln kann als der Einzelne allein. Hierbei stützen sie sich auf eine Annahme, die Osborn 1967 im Zusammenhang mit seiner Strategie „Brainstorming“ getroffen hat. Er behauptete, dass eine durchschnittliche Person (unter der Befolgung der Regeln seiner Strategie) in einer Gruppe zweimal so viele Ideen bedenken (also erzeugen) kann, als wenn sie alleine arbeitet.

Im Laufe der vergangen Jahrzehnte wurde dieser Gedanke immer wieder aufgegriffen und in vielen anderen Strategien (Bsp. Galerietechnik, 6-3-5-Technik) integriert. Diese Strategien des einfachen Volkes propagieren, wie auch Brainstorming, den gruppenbasierten Kampf und suggerieren dem Anwender eine vermeintlich sichere Strategie. Bei einer unsachgemäßen Anwendung können diese Strategien aber schnell zu einer Gefahr für das kreative Potential werden. Stellen Sie sich zum Beispiel folgendes Szenario vor:

Sie befinden sich mit ihren Kameraden auf feindlichem Gebiet und haben den Auftrag, nach Schwachstellen des Feindes zu suchen. Da Ihre Organisation Kosten sparen muss, um die Dividende der Aktien zu erhöhen, besitzt Ihr Trupp nur ein Fernglas. Sie entdecken am Horizont eine verdächtige Bewegung, müssen aber feststellen, dass ein anderes Mitglied Ihrer Gruppe in diesem Moment das Fernglas benutzt, um seinen eigenen Beobachtungen nachzugehen. In dieser Situation stehen Sie vor einem kreativen Dilemma:

  • Sie können Ihrem Kameraden das Fernglas entreißen, würden aber hierdurch seine Erkundungstätigkeit stören.
  • Sie können abwarten, bis Ihr Kamerad seine Erkundungstätigkeit beendet hat, riskieren aber, dass Sie die Position der verdächtigen Bewegung verlieren.

Es zeigt sich, dass Sie in beiden Fällen Gefahr, laufen den kreativen Prozess zu blockieren. Sie riskieren somit einen drastischen Leistungsverlust Ihrer Strategie. Ein Optimist würde nun sagen, dass man dieses Problem lösen könnte, wenn man dem Trupp mehrere Ferngläser mitgeben würde. Dies mag eine Lösung für dieses spezielle Problem sein, aber wie sieht es für andere Situationen aus? Möchten Sie in einer Gruppe einem anderen Teilnehmer ins Wort fallen oder gar selbst von anderen unterbrochen werden? Die Kreativguerilla hat dieses Problem erkannt und sich auf die Suche nach einer Lösung für dieses Problem begeben.

Bei unseren ersten Untersuchungen sind wir auf ein Paper von Stroebe und Nijstad (pdf) gestoßen. Dieses strategische Schriftstück fasst die derzeitigen Erkenntnisse über das Phänomen zusammen und gibt ihm den Namen „Blockierungseffekt“. Stroebe und Nijstad entwickeln mehrere Ansätze, um diesen Effekt zu verhindern, kommen aber zu dem Ergebnis, dass eine Eliminierung der Blockierung das Auftreten von stimulierenden Prozessen in einer Gruppe nicht garantieren kann. Glaubt man diesen Untersuchungen, so wäre die Effizienz von kreativen Gruppenprozessen in Frage gestellt.

Sie stellen sich jetzt bestimmt die Frage:

Wenn kreative Gruppenprozesse schlecht sind, welche Möglichkeit zur Steigerung meiner Kreativität gibt es denn dann?

Natürlich liegt der Kreativguerilla das Wohl seiner Leser am Herzen. Wir haben uns daher erneut in den Untergrund begeben, um eine Antwort zu finden. Hierbei sind wir auf ein interessantes Schriftstück von Mueller, Diehl und Ziegler (pdf) gestoßen, welches im Prinzip der Selbststimulation den Schlüssel zur kreativen Erfüllung sieht.

Die Selbststimulation beruht auf der Erkenntnis, dass direkt aufeinander folgende Ideen auf ähnlichen Gedankengängen basieren. Wenn ein Kämpfer also eine Idee für eine Problemlösung sucht, so wird er auch sehr schnell Ideen entdecken, die durch naheliegende Gedankengänge entstehen. Diese Ideen können in semantischen Kategorien zusammengefasst werden.

Der Kämpfer wechselt zu einer anderen Kategorie, wenn er in der aktuellen Gedankenregion keine neuen Ideen mehr entdeckt. Dieser Wechsel spiegelt sich auch in der Länge der Pausen zwischen den erzeugten Ideen wieder. So vergrößert sich die Pausendauer mit zunehmender Suche in einer Gedankenregion kontinuierlich. Dieser Prozess vollzieht sich so lange, bis ein Wechsel zwischen zwei Regionen stattfindet. Da der Kämpfer in der neuen Region auf nicht abgeerntetes Gebiet trifft, findet er zunächst schnell neue Ideen, wodurch die Pausenlänge auf ein Minimum abfällt.

Mueller, Diehl und Ziegler vermuten, dass die letzten Ideen einer semantischen Kategorie ein hohes Potential für die Entwicklung neuer Ideen besitzen, aber aufgrund der Ermüdung und Anstrengung der Kämpfer nicht beachtet werden. Durch eine Selbststimulation könnte daher dieses Potential nutzbar gemacht werden. Hierzu wird empfohlen, nach einer Ideenproduktion erneut die letzten Ideen der semantischen Kategorien als Anregungen zu betrachten. Diese Ideen lassen sich durch die Zeitdauer, die zwischen den einzelnen Ideen entstehen, identifizieren. In Experimenten konnte gezeigt werden, dass diese Art der Selbstsimulation zu einer Erhöhung der kreativen Leistung der einzelnen Kämpfer führen kann. Die kreative Leistung einer Selbststimulation übersteigt weiterhin das Potential eines kreativen Gruppenprozesses, bei denen Ideen fremder Personen als Anregungen verwendet werden.

Der kreative Kämpfer sollte sich demnach viel mehr selbststimulieren, um sein kreatives Potential zu erhöhen. Diese Erkenntnis spiegelt sich auch bei einer Betrachtung der aktuellen Weltsituation wieder. So setzen viele Untergrundorganisationen wie die al-Qaida, die Ansar al-Islam, die Hamas und die Volksfront von Judäa vermehrt auf Einzelkämpfer, um ihre Ziele zu verfolgen. Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben.

Die Kreativguerilla möchte daher diesen Ansatz aufgreifen und in ihre Arbeit integrieren. Ihre Mitglieder werden auch in Zukunft auf Gruppenarbeit verzichten und weiterhin eigene Artikel verfassen. Wir werden uns selbst anregen und erhoffen uns hierdurch das Erreichen einer neuen kreativen Sphäre. Folgen Sie unserem Beispiel und legen Sie beim nächsten kreativen Prozess einfach mal selbst Hand an.

In diesem Sinne: Stimulieren Sie sich doch mal wieder selbst!

Als Kreativguerilla beschäftigen wir uns ja bereits seit einiger Zeit in langen Artikeln mit der Kreativität an sich. Um das ganze aufzulockern, werden wir zukünftig hier dann und wann interessante Fundstücke, also besonders kreative Aktionen und Anwendungen, präsentieren. So auch in diesem Beitrag:

Ein sogenanntes Tilt-&-Shift-Objektiv wird in der Fotografie benutzt, um eine Perspektivenkorrektur vorzunehmen, indem die Bildebene nicht mehr parallel sondern schräg zur Filmebene gestellt wird. Dieses Objektiv wird professionell fast ausschlißlich bei der Architektur-Fotografie benutzt, um “stürzende Linien” zu verhindern, also dass abgelichtete Gebäude mit zunehmender Höhe immer kleiner werden und so scheinbar “nach hinten kippen”.
Allerdings kann man ein solches Objektiv auch kreativ missbrauchen, denn durch das Schrägstellen der Bildebene hat auch interessanter Auswirkungen auf die Tiefenschärfe: Normalerweise ist man es gewohnt, dass gleichweit von der Kamera entfernte Objekte auch gleichermaßen scharf oder unscharf sind. Mit einem Tilt-&-Shift-Objektiv kann man das ganze kreativ auf den Kopf stellen — plötzlich können deutlich voneinander entfernte Objekte im Fokus sein, während eng beieinanderliegene Objekte deutliche Schärfenunterschiede aufweisen. Es entstehen Bilder von ganz surrealem Charakter, die mitunter wirken, als wäre eine Modelleisenbahnszene angelichtet worden.

Der New-York-Times-Fotograf Vincent Laforet zeigt und erklärt in einem Video-Special einige seiner beeindruckenden Sportfotografieren, die mithilfe eines solchen Objektivs entstanden.

Gewiss ist er nicht der Entdecker dieser Methode, doch treibt er diese Art der Fotografie nahezu zur Perfektion — und das auch noch in der nicht wirklich einfachen Disziplin der Sportfotografie. Das verdient definitiv einen KG-Kreativpunkt!

“Wir haben erfahren, dass [...] Informationen in vielen einzelnen Neuronen und ihren Fasern kodifiziert sind, also in einer ungeheuren Vielzahl gleichzeitiger Speicherungen von Code-Molekülen, diffus über die ganze Großhirnrinde verteilt, also nicht streng lokalisiert. Und nur, weil die Speicherung auf diese Weise erfolgt, ist überhaupt Kreativität möglich. Wieso?
Durch diese vervielfachte Anordnung ergeben sich unter den entstehenden Informationsmustern sogenannte Resonanzen (‘Mitschwingungen’) und Interferenzen (‘Schwingungswechselwirkungen’). Und diese können von Zeit zu Zeit aus sich heraus völlig neue Sinninhalte, das heißt ein neues originales Informationsmuster und damit eine schöpferische Idee erzeugen. (…)
Kreativität, Intuition, Einfälle haben somit keinen bestimmten Sitz im Gehirn, sie entstehen vielmehr aus dem Wechselspiel der Vielfachspeicherung, der äußeren und inneren Wahrnehmungen, ja sie sind (Herv. i. O.) dieses Wechselspiel.

Gefunden bei Vester, Frederic (1925 – 2003): Denken, Lernen, Vergessen: was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich? 31. Auflage 2006, S. 108 – 111

“Die Sterblichkeit der ‘großartigen Ideen’ ist so groß wie die Sterblichkeit der Froscheier. Ideen sind ein Teil der Natur – und die Natur ist verschwenderisch. Aber es besteht so auch nie Mangel an Ideen, genauso wie es im Tümpel nie an Froscheiern fehlt. Man braucht 1000, um ein lebensfähiges, endgültiges Ergebnis auszubrüten. Man weiß im voraus nicht, welches der 1000 überleben und zu voller Reife auswachsen wird”.

Gefunden bei Peter F. Drucker (1909-2005): Die Zukunft bewältigen: Aufgaben und Chancen im Zeitalter der Ungewißheit, 3. Auflage 1998

La vie est belle – das Leben ist schön. Und schön ist die Liebe und der Verkehr – der Straßenverkehr natürlich. Für den Fremdling ist dies wohl die erste, auffallende Entdeckung, die er bei einem ahnungslosen Spaziergang durch die Straßen der neuen Wahlheimat macht. Gespeist und vorbereitet mit dem Wissen, dass die Bedeutung des französischen Zebrastreifens nicht unbedingt der deutschen gleicht, respektiere ich, MarineFilleDePirate natürlich – entsprechend einer ordentlichen Erziehung – das Symbol eines ausgeklügelten Verkehrssystems und warte pflichtbewusst am Straßenrand, um anschließend – gemäß dem durchaus negativen Klischee des rowdy-haften französischen Verkehrsteilnehmers – über die Straße zu springen. Just an diesem kleinen Beispiel der interkulturellen Vorbereitung auf fremdländische Gepflogenheiten werde ich angenehm überrascht: Eine junger Pizza-Lieferant auf einem fahrbaren Untersatz mit 2 Rädern hält an und zeigt mir mit einer wohlwollenden, gönnerischen Geste an, dass ich den Zebrastreifen überqueren könne.

Dieser selbstlosen Geste zum Trotz nähert sich ein Linienbus in stetiger und nicht langsamer werdender Geschwindigkeit von hinten an. Vergessen ist die nette Geste des jungen Rollerfahrers… Ich erstarre durch das Bewusstsein der unausweichlichen Folge dieser Situation. Schwupp, der Rollerfahrer, wie aufgespießt durch die Front des Busses, springt mit einem dumpfen Krachen einige Meter nach Vorne. Ein Hupen ertönt, der Pizzajunge, wie durch ein Wunder unversehrt und bei guter Verfassung – er wurde ja schließlich nur von hinten angefahren und einige Meter in Fahrtrichtung katapultiert – reckt seine rechte Hand zum Himmel, schimpft in einem schnellen Französisch vor sich hin und fährt weiter. Gefolgt von dem französischen Linienbus, der mir, wartend, mit großen, erschrockenen Augen auch keine weiter Beachtung mehr schenkt. So und nun herzlich willkommen in Frankreich, dem Land, dem uneingeschränkt ein Stern für kreatives Pizza-Ausliefern gebührt!

Aber nicht nur das Pizza-Ausliefern unterliegt einem „kreativen Einschlag“. Auch der Umgang mit unserer Umwelt erhält hier im Land des Weins, der Gaumenfreuden und der schönen Männer (und Frauen) eine ganz besondere Note. In den deutschen Gefilden unter dem Namen „Chlorbleichlauge“ bekannt, ist das hiesig als „Eau de Javel“ bezeichnete „Putzmittel“ ein ständiger Begleiter im hektischen Alltag der Franzosen. Ein bisschen hier in der Spülmaschine, ein bisschen dort zur Säuberung der Toilettenschüssel, oder auch im Supermarkt in der Gemüse- und Obstabteilung, um unangenehmen Gerüchen den Garaus zu machen – Eau de Javel ist das Zauberwort. Das dabei fast inflationär mit einer durchaus gefährlichen Lösung umgegangen wird, scheint hier aber niemanden zu stören. (Auf der Infoseite dazu lässt sich folgender Warnhinweis finden: „Eau de Javel entwickelt bei Berührung mit Säure giftige Gase (Chlorgas)“) Ist es nicht auch eine Kreativitätstechnik, bei der man bestimmte Eigenschaften analog auf andere Bereiche anwendet und statt täglich „das Rad neu zu erfinden“ einfach alles platt macht, auch wenn’s die Umwelt ist, oder hab ich da was falsch verstanden?!? Naja, Hauptsache es riecht gut – oder nicht?

Da bleibt einem durchaus nur ein letzter Rettungsanker: der vielerorts beliebte Radiosender ChérieFM, der euch euren schönsten Emotionen näher bringt – Welch Kraft und innere Stärke muss ein solcher Radiosender denn mitbringen, um sich mit so vielen „schönsten Gefühlen“ auseinander zu setzen und diese hervorrufen bzw. suggerieren zu können?!? Hierfür also mein zweiter „Kreativtäts-Stern“ für den tollen Namen und die tollen Gefühle. Danke ChérieFM – mein größter Schatz!

La vie est belle
Ihre MarineFilleDePirate

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