Hier gibt es nichts zu sehen!

Kreatiefschläge


Unter dem wunderschönen und aussagekräftigen Domainnamen kreativ-sein.de findet man die sogenannte Gesellschaft für Kreativität e.V. Neben der Verfolgung hehrer Ziele, wie beispielsweise der “Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie Bildung und Erziehung im Hinblick auf die Entfaltung kreativer Fähigkeiten in allen Bereichen von Gesellschaft und Wirtschaft, insbesondere durch Bewusstseinsbildung und Weiterbildung in Schulen, Hochschulen, Unternehmen und anderen Organisationen” (puh!), werden einige interessant klingende Kreativitätstechniken wie die “Exkursionssynetik” beschrieben oder auch interessante neue Namen für altbekannte Methoden (zum Beispiel “Ringtauschtechnik” für die 6-3-5-Methode) präsentiert. Die Neue Verwendung von Altbekanntem scheint auch anderswo zu greifen, denn dem geneigten Betrachter der Seite entgeht es nur schwer, dass die Navigation fast 1:1 von der Apple-Website übernommen wurde.
Man mag zwar argumentieren, dass Kreativität auch als die Neukombination bekannter Informationen und Sachverhalte ist, ob aber die Kombination von “Meine Homepage” und “Apple-Navigation” wirklich eine kreative Meisterleistung ist? Wohl eher nicht…

Man vergleiche selbst:

Original…
Das Original-Design von Apple

…und “kreative” Weiterverwendung
Das Original-Design von Apple

Nun haben wir die Weihnachtszeit schon etliche Tage hinter uns, doch die allgegenwärtige Klingelton-Betreiberlogo-"Lad-dir-die-geile-Mandy-aufs-Handy"-Mischpoke blinkt uns auch weiterhin gnadenlos mit diversem saisonalem Handyklingeltongenerve aus dem Fernseher entgegen.

Und war man bereits der Meinung, man hätte in diesem Zusammenhang schon genug Tiefpunkte erlebt – von nackten Fröschen auf unsichtbaren Motorrädern bis hin zur singenden, in den Drehspieß verliebten Dönertasche – da gab es diesmal ein wahrlich kreatives Weihnachtsgeschenk*.

Da hat sich wohl einer dieser Klingeltonkreativen gedacht, man müsse die winterliche Republik** mit einem besinnlichen Klingelton samt wunderbarem Werbevideo um eines der wichtigsten Gegenstände der traditionellen deutschen Weihnacht beglücken. So entstanden die „bösen Weihnachtstassen“. Für die, die dank geringen Fernsehkonsums oder beharrlicher Konzentration auf öffentlich-rechtliche Fernsehsender nicht wissen, wovon ich rede: Es geht hier um zwei sprechende Weihnachtstassen (das Produkt „Weihnachtstasse“ gibt es übrigens wirklich), welche versuchen, sich vorm Tannenbaum einander – relativ apathisch, wie Tassen halt normalerweise sind – klarzumachen, wer denn jetzt die doofere Tasse von beiden ist. Mehr nicht.

In Wirklichkeit muss man natürlich feststellen, dass beide Tassen doof sind. Böse an jenen ist darüber hinaus eigentlich nur, dass für so was viel Geld genommen wird, aber das soll nicht Thema sein, darüber haben sich bereits andere ausführlich ausgelassen. Die Frage ist eher, was sind das für Menschen, die sich solche Sachen ausdenken? Oder sind nicht die Menschen die Ursache, sondern eher die Kreativitätstechniken? Werden hier einfach wahllos aus einem Wörterbuch Dinge und Attribute gewählt (dagegen würde sprechen, dass „Döner“ wohl noch nicht im Brockhaus steht) oder werden bekannte Techniken einfach falsch angewendet? Haben die Kreativabteilungen der Klingeltonverschicker etwa bei der Umkehrtechnik („Was wäre ein genialer Klingelton“ -> „Was für ein Klingelton wäre so richtig mies?“) seit Jahren schon die Umkehrung der Anti-Lösungen vergessen? Man weiß es nicht…

Möglicherweise werden solche Sachen auch einfach von Praktikanten, der Raumpflegegehilfin oder vom Chef auf der Toilette ersonnen und eine Kreativabteilung gibt es gar nicht. Oder die Kreativabteilung ist bereits seit drei Jahren nach Afghanistan outgesourced und ebensolange ist der Kontakt zu ihnen abgebrochen. Als kleine Dienstleistung und für mehr Innovation in dieser Branche haben wir jedenfalls Klingeltonideen ersonnen, die garantiert Erfolg versprechen und im Folgendem aufgeschrieben:

  • Der cholerische Schulhilfshausmeister mit dem Handyherzschrittmacher
  • Honk, der impotente Walroßaffe
  • Zep das Sumpfhuhn, das mit dem Dollarkurs sin(g/k)t
  • Claudia, die besinnliche Bettwärmflasche
  • Das Technoschaf mit dem Benzinkanister
  • Karsten die liebestolle Klobürste
  • Saddam Hussein, Tiger Woods und die Golfkriegshymne
  • Basti der betrunkene Bierdeckel
  • Susanne das irakische Geiseltierchen

*geschenkt für nur 3,63€/Monat im Spar-Abo

**bzw. die Zielgruppe der medienunmündigen Mitbürger, die für so was Geld verschleudern