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Techniken


In seiner Mission, die kreativen Möglichkeiten bis aufs Letzte auszuschöpfen und so ultimative Ideen zu erdenken, stößt der kreative Guerillero oft an unsichtbare Mauern. Unbewusste Grenzen die — sei es aus Betriebsblindheit oder einfach, weil man nicht daran gedacht hat — verhindern, dass man kreativ in alle Richtungen denkt oder eine Aufgabenstellung in allen ihren Aspekten erfasst.

Kreativitätstechniken helfen, eingefahrene Denkweisen zu verlassen und in neue Richtungen zu blicken, somit also diese Grenzen zu überwinden. Doch auch diese stellen nicht sicher, dass man wirklich schon in alle Richtungen geblickt hat. Ein Hilfsmittel hierfür und somit eine praktische Ergänzung zu Kreativitäts­techniken und Problemanalysen sind die acht P’s. Diese klassifizieren alles Existente in acht Kategorien und können so als Checkliste dienen, um einerseits die Aufgabenstellung vollständig zu analysieren und andererseits in der Ideenfindung wirklich alle Bereiche einzubeziehen. Zur Veranschaulichung haben wir diese acht P’s zusammen mit zahlreichen Beispielfragen aufgelistet:

1. People

  • Wer ist beteiligt?
  • Wer ist Anbieter?
  • Wer ist Nutzer?
  • Wer wird dadurch beeinflusst (positiv/negativ/generell)?
  • Wer macht etwas damit?
  • Wer braucht es?
  • Was würden bestimmte Personen (Luke Skywalker, Angela Merkel) damit machen?

2. Places

  • Welche Orte sind einbezogen?
  • Wo findet es statt?
  • Wo wird es gebaut/gelagert/verkauft?
  • Wo wird es angewendet?
  • In welchen Ländern?
  • Würde es an ganz anderen Orten (Mond, Afrika, Wanne-Eickel) funktionieren? Wenn ja, wie?

3. Parts

  • Woraus besteht es?
  • Was sind die wichtigsten Teile?
  • Welche Teile könnte man auch weglassen?
  • Welche hinzufügen?
  • Womit ist es verbunden, wovon abhängig?

4. Processes

  • Welche Vorgänge oder Abläufe finden statt?
  • Was steht am Anfang, was am Ende?
  • Was muss passieren, was nicht unbedingt?
  • In welchem Prozess-Kontext steht es?
  • Wann passiert es?

5. Parameters

  • Welche Eigenschaften oder Merkmale gibt es?
  • Wie ist die Größe/Farbe/Form/Beschaffenheit?
  • Wie viele gibt es davon?

6. Policies

  • Welche Regeln gelten hier?
  • Was ist verboten?
  • Was darf ich oder jemand anders damit machen?

7. Purposes

  • Was ist der Zweck?
  • Was soll erreicht werden?
  • Warum ist das so? Warum nicht anders?

8. Problems

  • Welche Schwierigkeiten treten auf?
  • Welche Probleme sollten gelöst werden?

Quelle: Idea Engineering

Viele Bücher des kreativen Kampfes sehen im Gruppenkampf als beste Strategie, um ein Ziel zu erreichen. Die Autoren gehen davon aus, dass eine Gruppe von Kämpfern mehr Ideen entwickeln kann als der Einzelne allein. Hierbei stützen sie sich auf eine Annahme, die Osborn 1967 im Zusammenhang mit seiner Strategie „Brainstorming“ getroffen hat. Er behauptete, dass eine durchschnittliche Person (unter der Befolgung der Regeln seiner Strategie) in einer Gruppe zweimal so viele Ideen bedenken (also erzeugen) kann, als wenn sie alleine arbeitet.

Im Laufe der vergangen Jahrzehnte wurde dieser Gedanke immer wieder aufgegriffen und in vielen anderen Strategien (Bsp. Galerietechnik, 6-3-5-Technik) integriert. Diese Strategien des einfachen Volkes propagieren, wie auch Brainstorming, den gruppenbasierten Kampf und suggerieren dem Anwender eine vermeintlich sichere Strategie. Bei einer unsachgemäßen Anwendung können diese Strategien aber schnell zu einer Gefahr für das kreative Potential werden. Stellen Sie sich zum Beispiel folgendes Szenario vor:

Sie befinden sich mit ihren Kameraden auf feindlichem Gebiet und haben den Auftrag, nach Schwachstellen des Feindes zu suchen. Da Ihre Organisation Kosten sparen muss, um die Dividende der Aktien zu erhöhen, besitzt Ihr Trupp nur ein Fernglas. Sie entdecken am Horizont eine verdächtige Bewegung, müssen aber feststellen, dass ein anderes Mitglied Ihrer Gruppe in diesem Moment das Fernglas benutzt, um seinen eigenen Beobachtungen nachzugehen. In dieser Situation stehen Sie vor einem kreativen Dilemma:

  • Sie können Ihrem Kameraden das Fernglas entreißen, würden aber hierdurch seine Erkundungstätigkeit stören.
  • Sie können abwarten, bis Ihr Kamerad seine Erkundungstätigkeit beendet hat, riskieren aber, dass Sie die Position der verdächtigen Bewegung verlieren.

Es zeigt sich, dass Sie in beiden Fällen Gefahr, laufen den kreativen Prozess zu blockieren. Sie riskieren somit einen drastischen Leistungsverlust Ihrer Strategie. Ein Optimist würde nun sagen, dass man dieses Problem lösen könnte, wenn man dem Trupp mehrere Ferngläser mitgeben würde. Dies mag eine Lösung für dieses spezielle Problem sein, aber wie sieht es für andere Situationen aus? Möchten Sie in einer Gruppe einem anderen Teilnehmer ins Wort fallen oder gar selbst von anderen unterbrochen werden? Die Kreativguerilla hat dieses Problem erkannt und sich auf die Suche nach einer Lösung für dieses Problem begeben.

Bei unseren ersten Untersuchungen sind wir auf ein Paper von Stroebe und Nijstad (pdf) gestoßen. Dieses strategische Schriftstück fasst die derzeitigen Erkenntnisse über das Phänomen zusammen und gibt ihm den Namen „Blockierungseffekt“. Stroebe und Nijstad entwickeln mehrere Ansätze, um diesen Effekt zu verhindern, kommen aber zu dem Ergebnis, dass eine Eliminierung der Blockierung das Auftreten von stimulierenden Prozessen in einer Gruppe nicht garantieren kann. Glaubt man diesen Untersuchungen, so wäre die Effizienz von kreativen Gruppenprozessen in Frage gestellt.

Sie stellen sich jetzt bestimmt die Frage:

Wenn kreative Gruppenprozesse schlecht sind, welche Möglichkeit zur Steigerung meiner Kreativität gibt es denn dann?

Natürlich liegt der Kreativguerilla das Wohl seiner Leser am Herzen. Wir haben uns daher erneut in den Untergrund begeben, um eine Antwort zu finden. Hierbei sind wir auf ein interessantes Schriftstück von Mueller, Diehl und Ziegler (pdf) gestoßen, welches im Prinzip der Selbststimulation den Schlüssel zur kreativen Erfüllung sieht.

Die Selbststimulation beruht auf der Erkenntnis, dass direkt aufeinander folgende Ideen auf ähnlichen Gedankengängen basieren. Wenn ein Kämpfer also eine Idee für eine Problemlösung sucht, so wird er auch sehr schnell Ideen entdecken, die durch naheliegende Gedankengänge entstehen. Diese Ideen können in semantischen Kategorien zusammengefasst werden.

Der Kämpfer wechselt zu einer anderen Kategorie, wenn er in der aktuellen Gedankenregion keine neuen Ideen mehr entdeckt. Dieser Wechsel spiegelt sich auch in der Länge der Pausen zwischen den erzeugten Ideen wieder. So vergrößert sich die Pausendauer mit zunehmender Suche in einer Gedankenregion kontinuierlich. Dieser Prozess vollzieht sich so lange, bis ein Wechsel zwischen zwei Regionen stattfindet. Da der Kämpfer in der neuen Region auf nicht abgeerntetes Gebiet trifft, findet er zunächst schnell neue Ideen, wodurch die Pausenlänge auf ein Minimum abfällt.

Mueller, Diehl und Ziegler vermuten, dass die letzten Ideen einer semantischen Kategorie ein hohes Potential für die Entwicklung neuer Ideen besitzen, aber aufgrund der Ermüdung und Anstrengung der Kämpfer nicht beachtet werden. Durch eine Selbststimulation könnte daher dieses Potential nutzbar gemacht werden. Hierzu wird empfohlen, nach einer Ideenproduktion erneut die letzten Ideen der semantischen Kategorien als Anregungen zu betrachten. Diese Ideen lassen sich durch die Zeitdauer, die zwischen den einzelnen Ideen entstehen, identifizieren. In Experimenten konnte gezeigt werden, dass diese Art der Selbstsimulation zu einer Erhöhung der kreativen Leistung der einzelnen Kämpfer führen kann. Die kreative Leistung einer Selbststimulation übersteigt weiterhin das Potential eines kreativen Gruppenprozesses, bei denen Ideen fremder Personen als Anregungen verwendet werden.

Der kreative Kämpfer sollte sich demnach viel mehr selbststimulieren, um sein kreatives Potential zu erhöhen. Diese Erkenntnis spiegelt sich auch bei einer Betrachtung der aktuellen Weltsituation wieder. So setzen viele Untergrundorganisationen wie die al-Qaida, die Ansar al-Islam, die Hamas und die Volksfront von Judäa vermehrt auf Einzelkämpfer, um ihre Ziele zu verfolgen. Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben.

Die Kreativguerilla möchte daher diesen Ansatz aufgreifen und in ihre Arbeit integrieren. Ihre Mitglieder werden auch in Zukunft auf Gruppenarbeit verzichten und weiterhin eigene Artikel verfassen. Wir werden uns selbst anregen und erhoffen uns hierdurch das Erreichen einer neuen kreativen Sphäre. Folgen Sie unserem Beispiel und legen Sie beim nächsten kreativen Prozess einfach mal selbst Hand an.

In diesem Sinne: Stimulieren Sie sich doch mal wieder selbst!

Ein Grundsatz strategischen Denkens ist es, sich in den Gegner oder ein Vorbild hineinzuversetzen und zu überlegen, was dieser tun würde, stünde er vor dem Problem, welchem man gerade selbst gegenüber steht. Kreative Köpfe ziehen auch gerne mal jemand außenstehendes hinzu, um auf ungewöhnliche Lösungen zu kommen. Im Einsatz klingt das dann so: Was würde General Chortôn, was würde Napoleon, was würde Superman tun, wenn er kaum eine Streitmacht besitzt, aber einen Despoten stürzen möchte? Diese Herangehensweise haben wir bereits beim Strategieklau kennengelernt.

Es gibt aber eine weitere Möglichkeit, diesen Grundsatz zu nutzen:

Problemstellung: Von etwas zu wenig oder zu viel haben

Wenn man vor dem Problem steht, von irgendetwas zu wenig oder zu viel zu besitzen (z. B. zu wenig Soldaten, Waffen, Kunden, zu viele Gegner, Besäufnisse, leere Regale etc.) und das ändern möchte, dann fragt man sich natürlich, um aus der Misere herauszukommen: Wie kann ich an mehr Soldaten kommen? Woher bekomme ich mehr Waffen? Unser Beispielsupermarktbesitzer fragt sich: Wie kann ich an mehr Kunden kommen? Und so weiter. Wir kommen später drauf zurück.
An dieser Stelle muss man sich in die Position des gehassten feindlichen Generals versetzen, um an eine Lösung zu kommen. Nur – der hat natürlich irgendwie ein ganz anderes Ziel. Der möchte, dass unsere kleine Untergrundarmee nicht größer und stärker, nein, sondern kleiner und schwächer wird! Hm, das führt nicht ganz zum Ziel. Oder doch, halt! Lassen wir es drauf ankommen.

Wie also schaffen wir es, dass unsere Armee kleiner und schwächer wird?
Saufgelage sind eine gute Sache, die Soldaten verkatert und müde zu machen. Wer viel säuft, ist bestimmt nicht mehr so wachsam. Also mehr Saufgelage! Auch Frauen sind geeignete Mittel Soldaten abzulenken. Also Busse mit Frauen hinschicken.
Um die Soldatenzahl zu verkleinern, kann man entweder die Soldaten irgendwie abwerben, z.B. durch bessere Bezahlung woanders, oder ein paar von ihnen einfach im Gefecht erschießen. Dann braucht man nur noch dafür sorgen, dass der Nachschub ausbleibt, zum Beispiel durch große Werbekampagnen, welche die Grausamkeiten innerhalb der Guerillaarmee bloßstellen und gleichzeitig die eigene Armee erstrebenswert machen.

Ok, das war einfach. Und jetzt kommt Trick 51/3: Wir drehen die Antworten um und finden so möglicherweise Ansätze, die unser ursprüngliches Problem zu lösen helfen.
Hieß eine gefundene Antwort “Mehr Saufgelage”, so heißt deren Umkehrung “Weniger Saufgelage”. “Mehr Frauenkontakte” wird zu “Weniger Frauenkontakte”. “Soldaten durch bessere Bezahlung abwerben” kann zu “Durch bessere Bezahlung Soldaten an sich binden” umgekehrt werden. “Mehr Soldaten in Gefechten erschießen” führt vielleicht zu “Soldaten schusssicherer ausstatten”. “Durch Gegenwerbung Nachschub unterbinden” kann natürlich in “Durch Werbekampagnen, welche die Grausamkeiten des Gegners bloßstellt, Nachschub anwerben” umgekehrt werden. Alles gut nutzbare Lösungen, die zum Teil ohne großen Aufwand realisiert werden können.

Die Technik nutzt also die Sicht des Gegners auf das eigene Problem aus und kehrt die Problemlösungsbestrebungen erst einmal in Problemverschärfungsbestrebungen um. Daher nennt der Volksmund diese Technik auch Umkehrtechnik, manchmal auch Kopfstandtechnik.

Kommen wir an dieser Stelle noch einmal zurück auf den Beispiel-Supermarkt, der uns in den anderen Strategien schon als Beispiel diente:

Der Supermarktbesitzer versucht, mehr Kunden zu gewinnen.

Schritt 1: Indem man es aus Sicht des Gegners betrachtet, das Problem umkehren (Ziele austauschen)

Ein Konkurrent hätte wohl lieber, dass unserer Supermarkt weniger Kunden hätte.

Schritt 2: Lösungen für diese Umkehrung finden

Dafür hätte der Wettbewerber auch ganz tolle Ideen, die er an unserer Stelle benutzen würde:

  • Für unfreundliches Personal sorgen; das vergrault Kunden recht effizient.
  • Jeden unnötigen Kontakt zum Kunden möglichst vermeiden
  • Der Supermarkt schließt die Toiletten.
  • Den Supermarkt sehr schlecht ausleuchten. Wer kauft schon gerne in einer schummerigen Kaschemme?
  • Nur zwei Stunden am frühen Morgen und nochmal zwei Stunden am frühen Nachmittag öffnen! Blöde Öffnungszeiten verhindern Kundenbeliebtheit.
  • Den Supermarkt an den Stadtrand verlegen, wo kaum jemand hinkommt.
  • Keine Parkplätze bereithalten. Sollen die Kunden doch sehen, wo sie ihr Auto hinstellen.
  • Überhöhte Preise
  • Nur Produkte minderster Qualität anbieten
  • Die Gänge schön schmal machen, damit ja nicht zwei Einkaufswagen aneinander vorbei kommen
  • Nur maximal eine Kasse besetzen
  • Produkte nicht nach Kategorien in die Regale einordnen, sondern zufällig über alle Regale streuen (Gurkengläser stehen direkt hinterm Eingangsbereich, eingelegte Zwiebeln links hinten und Mixed Pickles rechts in der Mitte)
  • Die Regal noch innerhalb durcheinander einsortieren
  • Zusammengehörige Produkte (z.B. Nudeln und Soßen oder Bier und Knabberkram) entweder weit auseinander platzieren oder die eine Komponente gar nicht führen.
  • Keine frischen Produkte anbieten
  • Geruchsverteiler aufstellen, aus denen es muffig riecht
  • Flackernde Neonröhren anbringen

Das sind ja schonmal ein paar verrückte Sachen.

Schritt 3: Die Gegnerlösungen umkehren

Nur ein paar davon werden exemplarisch auf den Kopf gestellt:

  • Statt Muff-Geruch-Verteiler werden Duftverteiler installiert, die einen frischen Frühlingsduft verbreitet, welcher zum Wohlfühlen anregt.
  • Alles schön ausleuchten, und zwar ohne flackernde Lampen
  • Besonders frische Artikel anbieten, z.B. Obst vom Bauern nebenan
  • Alle Produkte besonders übersichtlich organisieren, dass man leicht das gewünschte Produkt findet
  • Zusammengehörige Kategorien in örtliche Nähe zueinander platzieren
  • Für freundliches Personal sorgen, das auf die Kunden zugeht und den Einkauf angenehm gestaltet.

Das sind nicht alles wirklich neue Lösungen, oder manche Supermärkte sind halt auch schon drauf gekommen. Aber es lassen sich oftmals viel mehr Lösungen finden, wenn man die hier vorgestellte Strategie benutzt, weil es sich leichter “rumspinnen” lässt, wenn man nicht ständig auf das eigene Ziel fixiert ist. Das merkt man natürlich am meisten, wenn man’s macht. Also, stellen Sie Ihre Probleme auf den Kopf!

Viel Spaß dabei wünscht Ihnen
Ihre Kreativguerilla

Jeder kreative Freiheitskämpfer weiss, das eine Strategie nur solange effektiv ist, wie der Gegner sie nicht kennt. Es ist daher unumgänglich, ständig neue Strategien zu entwickeln, um dem Gegner einen Schritt voraus zu sein. Die Kreativguerilla hat Ihnen mit dem “Strategieklau” eine der fünf wichtigstens Stategien der Kreativitaetsgeschichte vorgestellt. Damit Sie in keinen Hinterhalt geraten, wird die Kreativguerilla Ihnen nun eine weitere Strategie vorstellen. Der Name dieser Strategie ist “Strategisches Glück”, im Volksmund auch unter dem Namen “Zufallstechnik” bekannt.

Diese Strategie beruht auf dem Einfluss des Momentes und der Umgebung, in der Sie sich zum Zeitpunkt der Anwendung befinden. Die einzelnen Schritte der Technik lassen sich wie folgt beschreiben.

Analyse der Aufgabenstellung

Wie schon beim Strategieklau bildet die Analyse der Aufgabenstellung die Basis dieser Strategie. Ziel ist die Identifizierung von Attributen der Aufgabenstellung.

Nehmen wir einmal an, Sie sind ein Toilettenpapierhersteller und möchten den Absatz Ihrer Rollen in Mecklenburg-Vorpommern erhöhen. Nun, als Hersteller sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Woraus besteht Ihr Produkt?
  • Was sind die Eigenschaften Ihres Produktes?
  • Welche Prozesse verbinden man mit Ihrem Produkt?
  • Was macht Ihr Produkt zu etwas besonderem?

In früheren Artikeln hat die Kreativguerilla zur Beantwortung dieser Fragen die Verwendung von C7H5N3O6 empfohlen. Nachdem wir aber mehrere Zuschriften und Anfragen bekamen, woher man den C7H5N3O6 zu kreativen Zwecken beziehen könnte, mussten auch wir leider feststellen, das man C7H5N3O6 nicht in jeder Apotheke oder jedem Reformhaus bekommt. Da viele unserer Leser keine studentische Verbindungen zu den Söhnen des Abendlandes besitzen, empfiehlt die Kreativguerilla daher die Verwendung eines jungen Nachkommen der Gattung Homo sapiens sapiens, auch Kind genannt. Kinder besitzen eine ganz natürliche analytische Gabe, die es ihnen ermöglicht, einem Gegenstand ihrer Umwelt die wesentlichen Bestandteile zu entlocken. Dazu benötigen sie nur einen schweren Gegenstand und etwas Zeit. Ein solcher kreativer Gegenstand ist zum Beispiel ein Hammer oder ein schwerer Ast. Wir wissen, was Sie jetzt denken. Wo soll ich denn ein Kind herbekommen, die sind doch in Deutschland vom Aussterben bedroht. Fragen Sie doch mal im Freundeskreis nach, meist gibt es dort ein mutiges Forscherpaar, dem es gelungen ist, ein solches Exemplar zu züchten. Diese werden Ihnen sicherlich gerne ihr Exemplar für Studienzwecke zur Verfügung stellen.

Durch diese Vorgehensweise könnten Sie als Toilettenpapierfabrikant folgende Attributen gewinnen:

  • Toillettenpapier hat eine reinigende Wirkung
  • Toillettenpapier ist saugfähig
  • Toillettenpapier dient der Hygiene
  • Toillettenpapier ist weich
  • Toillettenpapierrollen haben ein hohles Inneres
  • Toillettenpapier repräsentiert eine Dienstleistung für das Gesäß
  • Toillettenpapier ist abrollbar und
  • Frauen verbrauchen fünfmal mehrToilettenpapier pro Sitzung als Männer

Die Augen offen halten

Nachdem Sie die Aufgabensituation analysiert haben, sollten Sie im nächsten Schritt unserer Strategie die Augen offen halten. Das Prinzip des “Strategischen Glücks” beruht darauf, das alles in Ihrer unmittelbaren Umgebung einen Einfluss auf Ihre Lösungsidee haben kann.

Schauen Sie sich doch mal im Raum um. Was sehen Sie? Was haben wir den da? Eine alte Pizzaschachtel, ein paar dreckige Socken, Aktien von 1980 einer Firma namens Microsoft, eine Mail von einem studentischen Freund M. Atah mit einer Einladung zu einer Flugschau. Auch schon ziemlich alt. Und eine aktuelle Zeitung. Schauen wir doch mal in die Zeitung. Aha, die NPD zieht mit 7,3 Prozent in den Schweriner Landtag ein. Um Ihnen zu zeigen, dass selbst Dinge, die auf den ersten Blick zu nichts zu gebrauchen sind, für etwas gut sind, wird die Kreativguerilla die NPD als Zufallselement verwenden (Kreativer Vermerk: Interessant an dieser Stelle ist zu erwähnen, das Sie durch die Anwendung des Strategieklaus auch auf dieses Element gekommen wären, da es nicht viele Objekte gibt, von denen man allgemein annimmt, sie wären innen hohl.).

Analyse des Glücks

Nachdem wir unser persönliches kreatives Glück gefunden haben, sollten wir es etwas genauer betrachten. Versuchen Sie zu ergründen, was es zu etwas ganz Besonderem macht. Hierzu können Sie wieder die Fragen der Aufgabenstellungsanalyse verwenden. Ziel dieser Betrachtung ist die Identifizierung von Attributen, die in Verbindung mit Attributen der Aufgabenstellung zur innovativen neuartigen Ideen führen. Betrachten wir also die NPD etwas genauer.

Um in diesem Zusammenhang gleich neue Freundschaften zu schliessen, lassen Sie sich doch vom BND anwerben und erleben Sie, was es bedeutet, eine Randgruppe in Deutschland zu sein. Ausgegrenzt zu werden, wenn man in einer Moschee seinen Glauben ausleben möchte, oder einfach keine Grillerlaubnis in der Nähe deutscher Auffanglager bekommt. Nach ein paar Wochen bei Ihren neuen Brüdern und Schwestern und drei Jahren Aussteigerprogramm sollten Sie sicherlich in der Lage sein, einige Attribute zu unserer Randgruppe aufzählen zu koennen.

Der durchschnittliche Deutsche verbindet mit der NPD folgende Attribute:

  • Die Mitglieder haben nur geringe Friseurkosten
  • Die Mitglieder leiden an Demenz, was sich besonders beim geschichtlichen Wissen zeigt
  • Die Miglieder haben motorische Probleme im rechten Arm
  • Die Mitglieder besitzen eine sehr niedrige Lernkurve

Die Fusion des Unglaublichen

Nun besitzen wir eine Menge Attribute, die in einer Kombination eine erhebliche Sprengkraft beinhalten können. Versuchen Sie doch einfach mal ein paar Elemente miteinander zu verbinden.

Stellen Sie sich dazu die Frage:

  • Wie könnte eine Verbindung dieser Attribute zu einer Lösung meiner Aufgabenstellung führen?

Wir haben zum Beispiel die Attribute:

  • Toillettenpapier repräsentiert eine Dienstleistung für das Gesäß. (Augabenstellung)
  • Die Mitglieder der NPD leiden an Demenz. (Glückselement)

Die Mitglieder und Wähler der NPD vergessen also sehr schnell, was sie eben noch gemacht haben. Stellen Sie sich einmal vor, was dies für diese armen Menschen beim täglichen Geschäft auf dem stillen Örtchen bedeutet. Um Ihnen auch hier ein Gefühl von Normalität zu geben, schlägt die Kreativguerilla folgendes Produkt vor: Ein Toilettenpapier mit unterschiedlichen Warnhinweisen:

  • “Bitte nur einmal benutzen”
  • “Nach dem Benutzen nicht zum Schnäuzen geeignet”

Neben der Entwickung einer neuen Toilettenpapierrolle lassen sich aus diesen Attributen auch Marketingaktionen anfertigen. Stellen Sie sich ein Werbeplakat an einer der vielen Buchenalleen im schönen Mecklenburg-Vorpommern vor. Ein großes Plakat mit einer wunderschönen Feinripp-Unterhose. Aber moment, mit dem Slip stimmt was nicht. Eine Bremsspur, zentral in der Mitte des Slips. An dieser Bremsspur befindet sich ein Massband, das den aufmerksamen Beobachter darauf hinweisst, das diese wunderschöne Bremsspur 7,3 Zentimeter lang ist. Und noch etwas ist zu entdecken. Ein Slogan: “Mit uns wäre das nicht passiert. Die forschenden Toilettenpapierfirmen”. Sie sehen, selbst Gegenstände ohne ersichtlichen Nutzen können zu einer guten Idee führen. Also versuchen Sie es doch einfach mal selbst. In diesem Sinne, denken Sie immer daran, das die Wahl des richtigen Geschäfts eine Wissenschaft für sich ist, die in einer intensiven Sitzung überdacht werden sollte.

Ihre Kreativguerilla

Nachdem die Kreativguerilla den Mythos der Kreativitätstechniken entzaubert hat, möchten wir Ihnen nun die erste der fünf Strategien vorstellen, die Ihr Leben verändern werden. Die hier vorgestellte Strategie lässt sich am besten an der so genannten „Analogie-Technik“ erklären, die auch als Verdammt-Ich-Hab-Nicht-Gelernt-Schreib-Ich-Halt-Beim-Nachbarn-Ab-Technik bekannt ist.

Warum täglich das Rad neu erfinden?

Das Prinzip dieser Technik beruht auf dem Grundgedanken, dass es Lösungen zu ähnlichen Aufgaben schon gibt. Der Prozess der Suche und der Analyse dieser Aufgaben wird durch diese Technik beschrieben. Dazu wird die vorliegende Aufgabe in ihre Grundprinzipien zerlegt. Anhand dieser Prinzipien können ähnliche Aufgaben identifiziert werden, für die es bereits Lösungen gibt.

Die Vorgehensweise der „Analogie-Technik“ kann daher wie folgt beschrieben werden:

Schritt 1: Identifizieren von Attributen der vorhandenen Aufgabenstellung.

Attribute sind Eigenschaften, Bestandteile oder Merkmale der Aufgabenstellung. Für deren Identifizierung gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon bietet die Dekonstruktion. So kann bei der Suche nach neuen Dienstleistungen für einen Supermarkt die Verwendung von C7H5N3O6 sehr gut die Bestandteile des solchen aufzeigen. Auch Eigenschaften lassen sich sehr gut durch Experimente ermitteln. Unser Tip: Verbringen Sie doch mal eine Nacht in der Tiefkühltruhe des örtlichen Supermarktes. Sie werden erstaunt sein, welche nicht offensichtlichen Eigenschaften eine solche Tiefkühltruhe noch besitzt. Für diejenigen, die keine experimentelle Ader besitzen, empfiehlt die Kreativguerilla die Verwendung folgender Fragen:

  • In welche Bestandteile kann die Aufgabenstellung unterteilt werden?
  • Welche Prozesse sind mit der Aufgabenstellung verbunden?
  • Welche Eigenschaften besitzt die Aufgabenstellung?
  • Kann man die Aufgabenstellung verallgemeinern?

Schritt 2: Finden des verschollenen Zwillings.

Nachdem Sie die Bestandteile und Eigenschaften der Aufgabenstellung identifiziert haben, können Sie nun auf die Suche des verschollenen Zwillings gehen. Hierbei kann eine Annonce in der örtlichen Tageszeitung helfen („Wer verkauft mir abgewogene Ware des täglichen Bedarfs?“). Für die Theoretiker unter Ihnen empfehlen wir folgende Frage:

  • Wer besitzt ähnliche Eigenschaften und Merkmale?

Schritt 3: Die Aufgabenstellung aus der Sicht des Zwillings betrachten.

Auf der Suche nach dem Zwilling sollten Sie eine Vielzahl gefunden haben. Diese besitzen alle wiederum Eigenschaften, durch die die Aufgabenstellung gelöst werden kann. Auf unsere Annonce hat sich Cochrane gemeldet. Cochrane ist 19 und ein stadtbekannter Handelstreibender, der Sie mit jeder Art von kreativen Stoffen versorgen kann. Wenn uns nicht alles täuscht, war er auch bei der Neuauflage unserer über alles geliebten Kaffeetassen beteiligt. Um neue Lösungen zu entwickeln, müssen Sie einen Perspektivwechsel vornehmen. Versetzen Sie sich Cochrane und schauen Sie sich an, welche Dienstleistungen er seinen Kunden bietet. Den Praktikern empfehlen wir dazu natürlich die Aufnahme der Tätigkeit für einige Tage. Allen anderen empfehlen wir dagegen folgende Fragestellung:

  • Wie würde X die Aufgabenstellung lösen?

Schritt 4: Die gefundenen Lösungen auf die Aufgabenstellung übertragen.

Nachdem Sie einige Lösungen für Dienstleistungen gesammelt haben, müssen Sie diese im letzten Schritt nur noch auf die Aufgabenstellung übertragen. Wir haben durch das Hineinversetzen in einen Handelstreibenden die Lösung gefunden, dass Ware auch in sehr geringen Mengen verkauft werden kann. Übertragen wir diese Lösung auf unsere ursprüngliche Aufgabenstellung (“Neue Dienstleistungen für einen Supermarkt”), so kommen wir sehr schnell auf die Lösung, neben Obst und Gemüse auch andere Lebensmittel in abwiegbare Mengen zu verkaufen. Wer braucht schließlich 1 Pfund Salz, wenn im Rezept eine Prise steht?

Viel Erfolg beim Nachkochen wünscht Ihnen

Ihre Kreativguerilla

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